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OpenAI muss seinen Dienst irgendwie monetarisieren. Wird ChatGPT künftig als Werbepartner herhalten müssen, um die enormen Kosten zu decken?
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ChatGPT ist seit seiner Einführung im Jahr 2022 auf fast 900 Millionen aktive Nutzer pro Woche angewachsen. Bis zum Jahr 2030 sollen es wöchentlich 2,6 Milliarden aktive Nutzer sein. Doch das kostet jede Menge Geld, was die vergleichsweise wenigen kostenpflichtigen Nutzer bisher nicht einspielen. Doch bei der Größenordnung konkurriert OpenAI auch automatisch mit den größten Social-Media- und Suchmaschinenunternehmen um den mehr als 1 Milliarde US-Dollar schweren Markt für digitale Werbung. In dem Punkt haben bisher Google, Meta und Amazon die Nase vorn. ChatGPT also künftig auch als Werbepartner? Bisher hat man davon noch Abstand genommen.
Wie das Newsportal „The Information“ hinter einer Paywall berichtet, diskutiert man intern derzeit die Optionen, wie man die vielen Anwender zu Geld machen kann. Wenn in Bezug auf die zahlenden Werbekunden relevante Fragen gestellt werden, sollen die Produkte der Geldgeber an erster Stelle stehen. Wenn also jemand nach einer guten Handcreme sucht, würde ChatGPT die Marke vorschlagen, die zur Finanzierung des Betriebs Geld beisteuert. Geschäftsführer Sam Altman spielt OpenAIs Bestrebungen mit Werbung Geld zu verdienen aber bisher in der Öffentlichkeit herunter.
Doch im Hintergrund sammelt das Unternehmen sehr viele persönliche Vorlieben, die man gezielt einsetzen könnte, sobald der Anwender signalisiert, dass er etwas kaufen möchte. Man überlegt nach Insiderinformationen, die Anzeige entsprechend zur Suchanfrage in der Seitenleiste neben dem Hauptfenster anzuzeigen. Noch diskutiert man darüber, ob die Anzeige als solche erkennbar sein soll. Erklärtes Ziel ist es, Einfluss auf das Konsumverhalten zu nehmen, ohne die Nutzer dabei vom eigenen Dienst abzuschrecken. Womöglich zeigt man die Werbung grundsätzlich nur an, sobald der Kontext zum Chat passt. Sollte das Experiment gelingen, müssten die bisher in diesem Sektor dominierenden Firmen Google, Meta und Amazon einen großes Stück vom Werbekuchen abgeben. Googles AI-Projekt Gemini gilt zwar als fortschrittlicher, wird aber bis jetzt sehr viel weniger eingesetzt.
Fachleute gehen davon aus, der Chat mit dem AI-Bot sei geradezu ideal, um die Fragenden langfristig zeitlich an sich zu binden. Wenn die Aufmerksamkeit so lange bestehen bleibt, wird der Chatbot zu einer „potenziell unglaublichen Werbeplattform„. Doch OpenAI sah Werbung bisher nur als letzten Weg an, um die eigenen Kosten zu decken. Trotzdem prognostizierte man in diesem Sommer bis 2030 Einnahmen in Höhe von rund 110 Milliarden US-Dollar von nicht zahlenden Nutzern. Und die machen derzeit rund 95 Prozent aus! Die Pläne musste man kürzlich zurückstellen, um die Gelder in die Weiterentwicklung der eigenen KI zu stecken. Die Konkurrenz aus China, von Google, Meta, Apple & Co. macht dem Branchenriesen zunehmend zu schaffen. Hinderlich ist auch, dass sich aktuell nur 2,1 Prozent der KI-Anfragen auf käufliche Produkte beziehen.
Der Anteil würde sich wahrscheinlich erhöhen, sollte bekannt werden, dass man den Chatbot auch für das Shopping nutzen kann. Kooperationen mit dem Zahlungsanbieter Stripe, dem E-Commerce-Anbieter Shopify und den Lieferdiensten Zillow und DoorDash sind schon in trockenen Tüchern. Natürlich möchte OpenAI dann auch von Stripe wissen, welche Produkte und in welchem Umfang die Kunden beim Shopping zugeschlagen haben, um ihren Erfolg zu messen.
Die Hersteller haben schon reagiert. Sie haben die Produktbeschreibungen in der Form abgeändert, damit die Bots von OpenAI sie schneller crawlen können. Andere Händler und Hersteller trugen sich in Wartelisten ein, um dem Unternehmen freiwillig Daten über ihre Produkte einzureichen. Auch Werbeagenturen und Einzelhändler drängen darauf, auszuprobieren, wie sie dafür bezahlen können, damit ihre Markennamen und Produkte prominent in den ChatGPT-Antworten erscheinen. Bisher hat das Management von Sam Altman kaum bis gar nicht auf solche Anfragen reagiert.
Betriebswirtschaftlich mag das alles interessant klingen und dürfte den Online-Werbemarkt erneut umwälzen. Doch in Anbetracht der Tatsache, wie viel ChatGPT über seine Nutzerinnen und Nutzer weiß, sind die Pläne der Firma bezogen auf den Datenschutz der reinste Horror. Die Leute werden es trotzdem nutzen, weil sie ChatGPT schon gut kennen und viele damit gute Erfahrungen gemacht haben. Außerdem hören die meisten Menschen auf Fragen zu stellen, solange sie für eine Servicedienstleistung kein Geld bezahlen müssen.
Über Lars Sobiraj
Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.
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