
Rechte Verschwörungstheorie
Berlin • Lesedauer: 2 min
In den Sozialen Netzwerken war es auch jetzt wieder voll davon: Gekaufte Demonstranten! Woher kommen diese Anschuldigungen und ist da vielleicht sogar etwas dran?
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Den Anfang nimmt die Geschichte in einem bis heute oft gelesenen und geteilten Beitrag der taz. Unter der Überschrift „Demogeld für Antifas“ schrieb das Berliner Blatt 2015 einen Satire-Artikel, der von vielen Menschen als vermeintlich echt verstanden wurde. Dabei geht die taz auf interne Berichte des „Antifa e.V.“ ein, die enthüllen sollen, dass Demonstranten gegen Rechts einen Stundenlohn von 25 Euro plus diverse Zuschläge erhalten sollen.
Dafür müsse man nur beim Ein- und Aussteigen aus den organisierten Bussen die „Antifa-Mitgliedskarte“ abscannen. Das Geld dafür soll dem Bericht nach direkt aus der Politik kommen. SPD, Grüne und auch CDU sollen die Antifa so finanziell unterstützen.
Und das stimmt natürlich alles. Nicht! Weder ist die „Antifa“ ein eingetragener Verein, noch gibt es Mitgliedsausweise, noch werden Demonstranten bezahlt, noch bekommt die „Antifa“ dafür Geld von den alten Parteien. Auch wenn eine einfache Rechnung Zweifel sähen sollte, scheinen viele Menschen gar nicht erst soweit denken zu wollen. Bei den Protesten am Wochenende zum Beispiel hätte die „Antifa“ bei, von der Polizei geschätzten, 500.000 Teilnehmern und durchschnittlich vier Stunden Demonstration, mal eben 50 Millionen Euro „Demogeld“ ausgeben müssen.
Das Problem ist, dass die Einen diese Mär vom Demogeld glauben wollen, während sich die Anderen darüber lustig machen und heiter weiter Öl ins Feuer der Falschinformationen gießen. Auf X (ehemals Twitter) zum Beispiel fanden sich tausende Beiträge von politisch linken Usern, die von ihrem „Demogeld“ erzählten. Sogar gefakte Abrechnungen wurden veröffentlicht. Viele User fielen auf diesen billigen Trick hinein.
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Doch auch hier ist, wie an jeder guten Geschichte, ein Fünkchen Wahrheit dran. Zum einen stellte die AfD-Fraktion 2015 im Thüringischen Landtag der Regierung die Frage, in welcher Höhe die Landesregierung Fahrten zu Gegendemonstrationen bei rechtsextremen Aufmärschen aus dem Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit unterstützt habe.
Die Antwort galt vielen als Beweis. Denn: Zwischen Februar 2012 bis April 2015 kamen 41.263,20 Euro zusammen. Die Gelder wurden allerdings nicht an die Demonstranten ausgezahlt, sondern verwendet, um die Busfahrten zu finanzieren.
Zum Andern sollen tatsächlich einmal Demonstranten bezahlt worden sein. Allerdings wohl von der AfD. Einer Recherche der Plattform exif-recherche.com nach, bot der AfD Landesverband Rheinland-Pfalz 2018 den ersten 30 Demonstranten, die mit zur geplanten „Großdemo“ in Berlin fahren, 50 Euro an.
Für den Mythos allerdings, dass die „Antifa“-Demonstranten bezahlt, gibt es keine seriösen Anhaltspunkte.