
Stand: 15.10.2025 10:47 Uhr
Das Kabinett hat die „Aktivrente“ auf den Weg gebracht. Rentner sollen dann bis zu 2.000 Euro steuerfrei dazuverdienen können. Wer profitiert, was bringt das für die Wirtschaft und welche Kritik gibt es daran?
Im Kern ist die „Aktivrente“ ein Steuerfreibetrag von 2.000 Euro monatlich für alle im Rentenalter sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Dieser Freibetrag von 24.000 Euro im Jahr gilt also für Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit für Menschen, die gleichzeitig Rente bekommen. Wer also beispielsweise monatlich 3.000 Euro brutto aus seiner Beschäftigung verdient, müsste davon künftig nur 1.000 Euro versteuern – den Rest nicht.
Im Grunde ja. Trotzdem gilt bei der „Aktivrente“ nicht „brutto gleich netto“, denn es fallen weiterhin Abgaben für die Sozialversicherung an. Die „Aktivrente“ soll allerdings vom sogenannten Progressionsvorbehalt ausgenommen werden. Dieser hätte dazu geführt, dass der steuerfreie Zusatzverdienst die Steuerlast erhöht, weil der Steuersatz wegen des höheren Gesamteinkommens steigt. Die Rentenzahlung als solche wird nämlich oberhalb eines Grundfreibetrags ohnehin schon versteuert.
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Rentner könnten künftig bis zu 2.000 Euro hinzuverdienen, ohne dafür Steuern zu zahlen. mehr
Ganz kurzfristig soll sie diejenigen Rentnerinnen und Rentner steuerlich begünstigen, die auf Nebeneinkünfte angewiesen sind und ohnehin schon nebenher arbeiten. Je nach Erfolg der „Aktivrente“ könnte auch die Diskussion über ein unter anderem von Teilen der Union befürwortete Anhebung des Renteneintrittsalters belebt werden. Dieses wird derzeit schrittweise auf 67 Jahre angehoben.
Ebenso große Hoffnungen verbindet die schwarz-rote Koalition mit dem Effekt auf den Arbeitsmarkt: In vielen Branchen herrscht seit Jahren schon Fachkräftemangel, etwa in Pflege, Bildung, Handwerk, Gastronomie und anderen Dienstleistungsberufen. Hier soll die „Aktivrente“ ein Anreiz sein, länger als bis zum Renteneintrittsalter in der bisherigen Stelle zu verbleiben, oder dort einen neuen Job anzunehmen.
Gegner der „Aktivrente“ betonen, dass besonders in den Branchen mit Arbeitskräftemangel körperliche oder mentale Belastungen so hoch sind, dass nur wenige Menschen länger als bis zum Renteneintritt arbeiten können oder wollen. Zudem ist auch unklar, wie viele Arbeitgeber tatsächlich gezielt Menschen im Rentenalter beschäftigen und damit mehr Krankheitstage in Kauf nehmen wollen.
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Kritiker beklagen auch, dass Angestellte bevorteilt und Selbstständige benachteiligt werden. Zum Beispiel haben solo-selbstständige Handwerker keinen Zugang zur „Aktivrente“. Dabei ist in diesem Bereich der Fachkräftemangel enorm. Auch Landwirte gehen leer aus – viele arbeiten hier ohnehin länger als bis zum Renteneintrittsalter. Bei Selbstständigen ist zudem – je nachdem, wie sie vorgesorgt haben – die Rente niedriger und damit der Bedarf an Nebeneinkünften höher als bei Angestellten. Auch Beamte sind von der „Aktivrente“ ausgeschlossen.
Dazu gibt es unterschiedliche Schätzungen. Das arbeitnehmernahe Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ging zuletzt von etwa 230.000 Menschen aus. Das Bundesfinanzministerium schätzt die Zahl etwas geringer ein und rechnet mit rund 168.000 Menschen – einem Viertel der Anspruchsberechtigten.
Das Finanzministerium rechnet mit rund 890 Millionen Euro jährlich. Davon entfallen jeweils rund 42,5 Prozent auf den Bund und die Länder und die restlichen 15 Prozent auf die Kommunen. Die Bundesregierung verbindet damit allerdings die Hoffnung, durch einen positiven Effekt auf das Wirtschaftswachstum auch wieder mehr Steuergelder einnehmen zu können.
Mit der geplanten Aktivrente sollen Rentner bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen können. mehr
Quelle: AFP
Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Oktober 2025 um 07:35 Uhr.
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